Hits, Hits Hits – Sing with Roachford!
Der Mann hat sein Publikum im Griff, auch über 20 Jahre nach Veröffentlichung seines ersten Albums „Roachford“ im Jahre 88.
Wenn Roachford „Let me hear you sing“ ruft, antwortet das deutlich Ü40 Publikum prompt mit „Feel for me Baby“ oder „Oh-oh-ohhhs“, wie es einem Bestseller wie „Cuddly Toy“ geziemt.
Aber Roachford lebt nicht nur von seinen alten Hits, auch wenn sie alle drankommen im Laufe des Abends.
Er eröffnet mit Stücken aus seinem 2011er Album Addictive, „I get High“, „Complicated“ – bestimmt nichts schockierend Neues, aber von Anfang an wird deutlich: Er kanns einfach, musikalisch, showmäßig, der Mann ist der Inbegriff der Rampensau mit unverwechselbarer R’n'B Stimme. Eigentlich verwunderlich, dass so ein Typ nicht die großen Hallen füllt, zum Glück für alle Freunde der handgestrickten Grooves, denen ein durchgeschwitztes Hemd als Special Effekt genügt (zu dieser Kategorie gehöre ich definitiv).
Roachford und die Band sind in Spiellaune, der Spaß springt mühelos über, zwei Stunden Party, die keine Wünsche offen lassen.
Dabei gibt es auch die ruhigeren Momente: Roachford spielt allein am Keybord „Ride the Storm“ und auch „Pop Muzak“ – zu diesem Zeitpunkt ist das Publikum aber schon genug angewärmt, um die Hits auch in dieser verhaltenen Interpretation zu feiern.
Zwischendurch fallen immer wieder lockere Sprüche oder „Cologne – let me hear you“ – es ist tatsächlich ein Abend MIT dem Publikum, auch wenn so Mitklatsch-Geschichten nicht mein Cup of Tea sind.
Spätestens bei „This Generation“ kommen dann auch diejenigen aus sich raus, die schon damals eigentlich nicht mehr zu der Generation gehörten, die Roachford besingt, aber egal, kann man für sowas Evergreen sagen?
Und immer wenn man denkt „Das war’s jetzt“ legen er und die Band nach und ziehen einen weiteren Trumpf aus dem Ärmel – jedesmal ein „Stimmt ja, das gab es ja auch noch!“ Effekt. Mit „Only to be with you“ verabschieden die Jungs sich aus der Zugabe. Deutlich spürbar: Künstler und Publikum sind sich einig, dass das gerade ein toller Abend war. Und deshalb gibt’s als zweite Zugabe noch „Wonderwall“ von Oasis und ein atemberaubendes Schlagzeug-Feuerwerk.
Erwartungen an Pop-Konzerte können ja vielseitig sein und mit den Preisen schrauben sich sicher auch Erwartungen in die Höhe. Dieser Abend war im Grunde sehr einfach: Keine Lightshow, keine Projektionen, kein Pyrokram, sondern Bass, Schlagzeug, Gitarre, Keyboard, Vocals und ein bisschen Licht. Als wichtigste Zutat kommt vielleicht Leidenschaft dazu, echte Liebe zur Musik. Und dann noch: Roachford ist ein Dienstleister. Er steht nicht auf der Bühne um sich selbst feiern zu lassen, er will unterhalten, das Publikum soll gemeinsam mit ihm feiern.
„Do you feel good?“ Yes, we did. Ich glaube, diese Art der Bühnenperformance wird niemals alt.
…And I’m a junkie for your stuff…
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